Bewegt und Nachgedacht

10.4.2012

Zum Tanzverbot an Karfreitag

Abgelegt unter: Kirche, Privat, Politik, Blogroll, Uncategorized — Robert Kathmann @ 11:10

Kaputte BierflascheScheinbar ist auch dieses Jahr wieder Diskussionszeit zum Thema Tanzverbot an Karfreitag.
Im Netz scheint ja eine echte Bashing-Welle losgetreten zu sein.

Aber es geht doch gar nicht ums Tanzen, es geht nicht um das Feiern. Es geht nicht darum, dass die Religion allen die Lebensweise vorschreiben will. Es geht um ein wenig Rücksicht. In der Diskussion scheinen aber häufig Menschen mit dem Erfahrungshorizont aus dem Stadtleben und ohne die Erfahrungen der Anwohner die Bashing-Keule zu schwingen.

Hebt doch bitte mal den Kopf und schaut aus dem Großstadtleben hinaus, denn am Land sieht das Spiel eben oft anders aus, ebenso für viele Anwohner.

Die Kirmesbuden, Volksfeste, Weinfeste, Bierzelte, Konzerte wollen über die Osterfeiertage ihren Tumult und sollen ihn auch  haben. Die Ferienzeit und die Osterfeiertage sind eben auch eine besonders lukrative Zeit für das Unterhaltungsgewerbe.

Ich will beileibe jetzt nicht die fröhlichen feiernden tanzenden Besucher zu Krawallmacher und Suffköpfen erklären, aber leider gehört zu vielen Veranstaltungen auch deren Randphänomene und damit treten dann auch Probleme auf. Das war früher so und ist häufig auch heute noch so. Das die Randphänomen nicht ein Verbot legitimieren ist schon klar, und normaler Weise lässt sich das ja auch irgendwie aushalten und regeln, aber an Karfreitag kommt eben nun einmal die religiöse Nutzung von Kirchen und Friedhöfen und deren Zuwege dazu.

Die Einen versuchen aus ihrem Glaubensleben heraus ein wenig inne zuhalten und Andere grölen und torkeln besoffen, entsorgen ihren Abfall an jeder Ecke und kotzen einem in den Garten. Wie würdet ihr Euch fühlen, wenn ihr trauert oder jemand zu Grabe tragt und am Zaun grölen dann die Besoffenen oder pissen in die Sträucher!

Am Land ist die Kirche oft noch mitten im Dorf, das heißt mittendrin und neben dem Dorfplatz samt um die Kirche liegenden Friedhof, der für viele am Karfreitag ebenfalls eine Bedeutung hat und der Karfreitag besteht eben nicht nur aus dem Freitag Vormittag.

Aus solchen Problemen heraus ist das allgemeine Tanzverbot entstanden und hat für manchen seinen Sinn sicherlich verloren, da die Umstände oft andere sind.  Sicherlich stammt dieses Verbot auch aus einer Zeit wo Tanz eben noch mit den Großfesten verknüpft war. Das Problem ist aber deshalb nicht überall verschwunden. So manche Veranstaltung ist eben doch eine deutliche Beeinträchtigung für Anwohner und in ländlichen Räumen auch gerade für Friedhöfe und Kirchen. Einmal im Jahr sollte deshalb auch eine Ausnahme möglich sein. Es braucht verbindliche Lösungen, die eben die Religionsausübung ungestört ermöglichen. Das Veranstaltungsverbot für Konzerte und Tanz am Karfreitag macht eben oft doch Sinn.

Ein wenig Schutz und Würde sollte schon möglich sein.

4.4.2012

Creative Commons Kurz und bündig erklärt

Abgelegt unter: Tips und Tricks, Bildung, Blogroll — Robert Kathmann @ 11:50

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31.3.2012

Die Mythen des freien Kopierrechts und der Raubkopie

Abgelegt unter: Politik, Bildung, Blogroll — Robert Kathmann @ 12:35

 Zum Mythos: Raubkopie

RaubEin Raub ist eine Handlung in der mit Gewalt oder Gewaltandrohung Eigentum entwendet wird. Bei der illegalen Kopie wird niemand mit Gewalt bedroht.

Der Begriff  Raubkopie” ist durch die Verwertungsindustrie  eingeführt worden um die”illegale Kopie” mit einem Kapitalverbrechen zu assoziieren und die Kopierenden in die Ecke der Kapitalverbrecher zu stellen. Es ist im gesetzlichen Sinne maximal ein Eigentumsdelikt und kein Kapitalverbrechen.

Nicht jede Kopie ist strafbar oder illegal auch wenn die Rechteverwerter dies manchmal fordern. Für den persönlichen Gebrauch von Musik im engeren Lebenskreis dürfen Kopien vom Original angefertigt werden. (z.B. Sicherungskopie) Dieses Recht wird allerdings immer wieder durch Schutzmaßnahmen seitens der Musikindustrie unterlaufen und so oft der Kunde seiner Nutzungsrechte “beraubt”, wenn ich das Sprachbild benutzen darf.

Auch die Weitergabe der Nutzungsrechte im Sinne von leihen und verschenken wird durch diese DRM Maßnahmen oft unmöglich gemacht und schränkt die Käufer erheblich ein.

Hier wird auf Seiten der Rechteverwerter und auf Seiten der Kopierenden einiges auf seltsame Grundlagen gestellt. Aber bitte jetzt nicht das Eine mit dem Anderen aufwiegen. Es lohnt sich genauer hinzusehen.

Zum Mythos: „Früher durfte doch auch kostenfrei kopiert werden.“

KassettenrecorderAuch die Audiokassette, die immer als Beispiel und Argument für freies Teilen und Kopieren von Musik herhalten muss, war nicht umsonst, da von vornherein ein Betrag an Gema-Gebühren im Preis enthalten war. Dies bedeutete, dass mit jeder Kopie auf eine Audiokassette auch Geld an die Gema geflossen ist. Zusätzlich war die Kassette als Speichermedium begrenzt, da sie schließlich ohne riesigen Qualitätsverlust nur einige mal bespielbar war. Es kann deshalb die Audiokassette, als historischen Anspruch auf kostenlose Kopien nicht herhalten.

Auch das immer wieder zitierte Beispiel des Radiomitschnitts  ist völlig daneben, denn dort müssen die Radiosender einen nicht geringen Betrag für die Ausstrahlung bezahlen. Beim Aufnehmen kam dann nochmal die anteiligen Gema-Gebühren für den Tonträger hinzu.
Die Gebühren auf CD/DVD und Brenner reihen sich auch in diese Kategorie ein. Sie machen ja ebenfalls nur noch historisch gesehen Sinn. Heute liegt Musik auf Festplatten, in der Cloud und Handy sowie MP3 Player.
Man muss man auch mit Fug und Recht streiten, wie Musik auf alle eigenen Geräte transferiert werden kann, verliehen, verschenkt und im engeren Lebenskreis verfügbar gemacht werden kann. Das Recht auf die Privatkopie vom erworbenen Original muss erhalten bleiben. Aber das ist nur der Eigengebrauch und immer an das Original gebunden und keine Kopie zu freien Weitergabe.

Fazit: Es gab auch früher nicht das Recht auf eine kostenlose Kopie von Musik.

Zum Mythos: Dem Künstler kann doch von Konzerten und Merchandising leben.

StraßenmusikerDass der Anteil der Erträge für die Musikschaffenden im herkömmlichen Verwertungs- und Abschöpfsystem zu klein oder zumindest ungerecht verteilt ist und war steht außer Frage, aber deshalb gleich das Sponsoring als Alternative darzustellen, bzw. das Konzertwesen als alternative Einnahmequelle zu präsentieren, kann es ja wohl auch nicht sein.  So manche Musik ist eben nicht für die Bühne bzw. Straße geschaffen. Wer Musik produziert, damit sind alle an der Produktion beteiligten eingeschlossen,  soll je nach Qualität und erworbenen Fankreis auch durch deren Verkauf Einnahmen generieren dürfen.
Im weiteren verwende ich den Ausdruck Verwertungsrechte anstatt Urheberrecht und Nutzungsrechte. Ich benutze den Begriff “Verwertungsrechte” um deutlich zu machen, dass weder die Nutzung oder der Urheber im Fokus steht, sondern das Konglomerat von Vertragsbindungen und Institutionalisierungen. “Verwerten” klingt irgendwie passender.

Musik hat einen Wert und der muss den Beteiligten für die Leistung der Erstellung auch zukommen. Der reale Wert ermittelt sich durch die Einnahmen, die beim Verkauf (Ob Bühne, Stream, CD- oder Onlineverkauf ist egal.) erzielt werden kann. Vom ideellen Wert oder Kulturwert kann niemand leben. Der Wert regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Es wird der Wert zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt. Auch im Kulturbereich. (Bei öffentlicher Förderung ist es eben dem Steuerzahler den Preis wert.)

Wenn der Künstler davon leben soll, was der User noch zu bezahlen bereit ist nachdem er sich die Musik bereits einverleibt hat, ist dies eine Enteignung.
Ich gehe ja auch nicht in den Laden nehme mir irgendetwas und bezahle nur das, was ich zu zahlen bereit bin. Wenn ich nicht bereit bin, den Preis zu zahlen, kann ich das Angebot ablehnen aber nicht einfach selbst entwerten. Der Künstler will ja verkaufen und ist selbst an einem „Marktgerechten“ Angebot interessiert.

Der Vorwurf, dass die Musikverlage mit ihren Verwertungsrechten hier oft völlig neben der Spur liegen ist richtig. Online den gleichen Preis zu verlangen, wie für eine CD bzw. DVD in einem Laden entbehrt jeder Grundlage, da die Kosten erheblich niedriger sind.

Zwangsstrukturen, die durch Ressourcen-Abhängigkeit von Musikern entstehen, werden hoffentlich durch die digitalen Verbreitungswege und Märkte überwunden. Der Zementierung der alten Verwertungswege und der Schaffung von Sonderrechten für diese Strukturen, erfordert sicherlich noch weiterhin Widerstand. (ACTA, Pipa und Co.)

Wer möchte, kann ja seine Musik ja im Sponsoring-Model vertreiben, aber wer das nicht will, sondern sein Angebot auf ihm gerechte Weise macht, ist deshalb eben nicht zur Enteignung freigegeben.

Zum Mythos: Es wird dem Künstler nichts weggenommen.

EierdiebEs wird dem Künstler etwas weggenommen, auch wenn es eine Kopie und nicht mit gegenständlicher Ware zu vergleichen ist. Ich weiß das für Märkte mit immateriellen Güter oft andere Marktstrukturen gelten, aber auch dort gilt Angebot und Nachfrage und auch in diesen will Geld verdient sein. (Itunes, Amazonmp3, Spotify Deezer etc.)
Aber wenn durch Kopien aller Art die Nachfrage gestillt ist, bleibt der Künstler eben auf seinem Angebot ohne Ertrag sitzen.

Und bitte jetzt nicht behaupten. dass die Bereitschaft besteht für Musik zu zahlen, aber nur die Möglichkeiten nicht bestehen. Die Möglichkeit bestehen schon. Es gibt  eine Vielzahl von Modellen, vom Song-Download-Diensten über Musikvideo-Angebote bis hin zu Abonnements, bei denen für eine monatliche Pauschale oder über Werbung finanziert ein riesiger Musikkatalog auch zum streamen zur Verfügung steht. Also dann zahlt doch, denn die Preise sind inzwischen durchaus akzeptabel.

Zum Mythos: Die Kopien sorgen doch nur für einen höheren Umsatz.

Kopie GeldBis jetzt gibt es auch keine Studie die belegen würde, das Raubkopien auf Dauer den Umsatz steigern würden, da es nicht wirklich verifizierbar ist, wie viele sich die Musik legal erworben hätten, wenn es die Möglichkeit der illegalen Kopien nicht gegeben hätte.

Die illegalen Kopien steigern die Verbreitung, aber nicht den Umsatz. Das freies Kopieren im Einzelfall und in der Startphase einer Karriere durchaus im Interesse des Rechteinhabers sein kann, will ich nicht abstreiten.

Wenn Musiker zu Werbezwecken oder zur Fanpflege oder ideellen Gründen Musik kostenfrei verschenken, ist das ihr gutes Recht, aber das berechtigt nicht andere Musiker zu gleichem Verhalten zu zwingen. Wenn der Musikschaffende dann auf Almosen wie Fansponsoring angewiesen ist, ist dies das Konzept eines Straßenmusikers. Dies trägt wohl kaum ein Orchester oder andere Formen der Musik. Nicht jede Musik ist für die Bühne geeignet und wer nur im Studio arbeiten will, soll dies doch auch tun dürfen.

Zum Mythos:  Weiterverwertung geht nur durch freie Musik

Einer auf den Schultern des anderen.

Es ist richtig, dass wir alle auf den Schulter unserer Vorgängern stehen. Gerade in der Musik und im Film und Literatur ist dies deutlich. Aber das kann kein Argument für eine sofortige Enteignung des Künstlers nach Veröffentlichung seiner Werke sein, wie es die Forderung das Kunst zur Weiterverarbeitung immer frei sein soll, mit sich bringen würde.

Beim Remix oder bei der auf andere Werke aufbauende Kunst muss sicherlich darüber nachgedacht werden, wie hoch noch der Wertschöpfungsanteil für das Original sein soll und wie hoch die kreative Leistung des neuen „Werkes“ zu bewerten ist.  Ein Teil der möglichen Wertschöpfung muss auch dem Urheber des Original zukommen. Hierzu gehören sicherlich auch Werbeeinnahmen. Hier braucht es Regelungen die handhabbar sind. Hier ist der Gesetzgeber durch demokratische Strukturen und nicht durch Lobbyismus gefragt, denn hier geht es um Gesellschaftskultur. Dafür lohnt es sich zu streiten!

Wie lange für Werke bezahlt wird und ab wann Kultur zum Allgemeingut wird ist ebenfalls eine Frage, die schleunigst beantwortet werden muss. Das gilt für Musik, Film, Wort und Bild. Die jetzigen Regelungen, die fast schon ein Jahrhundert lange Verwertungsrechte sichern, ist ein Ungetüm. Eine Staffelung, also ein „zeitlichen Zerfall“ der Urheberanteile und den abzuführenden Teil an Erträgen, ist sicherlich auch ein brauchbares Denkmodel.

Urheberrechte, Nutzungsrechte, Patente brauchen eine vernünftige Laufzeitgrenze, die dem Urheber die Möglichkeit zur Generierung von Einnahmen lässt, aber die Gesellschaft hat auch einen Anspruch ihre Kultur für sich zu adaptieren. Wir bauen seit Menschengedenken auf die Leistungen unser Vorgänger auf, anders kann Gesellschaft und Kultur nicht funktionieren.

Wie lange Urheberschutz und Verwertungsrechte gelten dürfen, muss durch demokratische Strukturen und nicht durch Lobbyismus entschieden werden.
Auch muss noch noch eine Lösung gefunden werden wie Musik / Video / Games wieder weitergegeben oder verschenkt bzw. veräußert werden können. Nutzungsrechte müssen übertragbar sein. Meine Platte und Kassette konnte ich ja auch meinen Freunden leihen oder schenken.

Was bleibt dann:

Geld für MusikJede Kopie, abgesehen von Kopien zum persönlichen Gebrauch, muss eine Zeit lang nach Veröffentlichung für den Künstler, wenn er dies will, Ertrag generieren.

Musik braucht Künstler und macht Aufwand und das muss irgendwie finanziert werden. Für Lau funktioniert das nicht.

Robert Kathmann

15.3.2012

Eine gute Erklärung für ACTA

Abgelegt unter: Politik, Bildung, Blogroll — Robert Kathmann @ 09:21

Ein gut gemachte Erklärung was ACTA ist und warum es bei dem Protesten eigentlich geht. Vielen Dank an Explainity. Ein Projekt im Rahmen des Forschungsvorhabens Fernsehen 2.0 des Innovations-Inkubators der Leuphana Unisversität Lüneburg

14.3.2012

Usergenerierte Jugendschutzlabel - Probleme + Lösungen

Abgelegt unter: Politik, Bildung, Blogroll, Uncategorized — Robert Kathmann @ 16:05

ButtonUsergenerierte Alterkennzeichnungen sind immer wieder in der Diskussion und haben deutliche Vorteile gegenüber der Selbsteinschätzung besonders im Bereich der Kommentare und Usercontent ermöglicht. Der Blogartikel des CDU Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek geht in diese Richtung, ist aber leider sehr vereinfachend ausgefallen.

Kennzeichnungen werden Filtersoftware und somit entscheidend.

Verbindliche Einstufungen werden natürlich dann auch schnell Grundlage von Filtersoftware.. Allein deshalb weil sie umständliche und oft fehlerhafte Algorithmen ersetzen können. Daran ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, solange die Filter “useraktiviert” sind, aber die User sind nicht immer so einfach zu händeln, wie es auf den ersten Blick erscheint. (Vom Troll sogar mal abgesehen.)  Aber die usergenerierten Kennzeichnungen bieten mit neben ihren eigenen „Unschärfe“ auch die Möglichkeit Blogs und von Usercontent abhängigen Sites hinter die Filter zu “schießen”.

Die Probleme des Bloggers.

HektikDer Blogger muss plötzlich seinen Blog ständig moderieren bzw. Kommentare ständig im Auge haben, weil er jetzt schneller reagieren muss. Er wird sonst mit ein paar missliebigen bewusst provozierenden bzw. jugendgefährdenden Kommentaren oder Content von den eignen Usern seiner Seite auf Dauer ins Porno- oder Gewaltreich verbannt.

Die Einstufung wird eben auch neben dem Aspekt des Jugendschutzes wahrgenommen. Guter Leumund und Seriosität wird mit dem Label von Pornographie und Gewaltdarstellung und der Freigabe ab 18 Jahre eher schwer zu erreichen sein und einen aus so mancher Blockroll katapultieren.. Eine Fehlbewertung kostet Leseklientel.

Die Probleme der Relevanz und Grundlage sowie Gültigkeit.

Grundsätzlich ist es richtig und demokratisch User/Besucher zu beteiligen, aber erhebliche Probleme entstehen auch dadurch::

Gültigkeit der Bewertung.

RelaunchSeiten verändern sich, Inhalte verändern sich, Wie soll darauf reagiert werden?  Wann und wie laufen solche Bewertungen ab und wer entscheidet. Soll der Betreiber der Seite entscheiden? Das würde in den gefährdenden Bereichen meist den Bock zum Gärtner machen und der Manipulation Tür und Tor öffnen. (Machen wir doch einfach dann ein „offiziellen Relaunch“ und fangen von vorne an, wenn uns die Bewertungen nicht passen.)

Wenn dies über ein unabhängiges Register erfolgen sollte, ist die Frage auch nicht gelöst. Automatische Verjährung? bzw. Vermonatlichung? Wie kann berechtigter Einspruch und wo kann dieser Geltend gemacht werden.

Relevanz der Einschätzung

Die Ergebnisse fallen sehr klientelabhängig aus . Ich versuche es mal anhand eines Beispiels: Eine Blogsite der Blood and Honor -Fans hat ein anderes Publikum und wahrscheinlich andere Werte- und Grenzeinschätzungen, als der Blog der Hallergrupner Häkelfans.

Gefahr des Missbrauch

BlockwartWir führen den selbsternannten Blockwart ein. Es würde wohl nicht lange dauern, bis die ersten Menschen mit selbst-definierter Berufung oder Mission oder Moralanspruch (be-)wertend über ihnen missliebige Seiten herfallen.

Die Altersfreigabe wird schnell zum Dislikebutton, Wie viele würden wohl aus Protest katholische Blogseiten als Kinder- und Jugendgefährdend klicken und so mit der daraus folgenden Kennzeichnung wichtige Jugend- und Sozialarbeit mit Partizipation undifferenziert in den Boden hinter die Filter stampfen.

Gerade gute Blogs sind oft in der Gefahr auch Reaktionen von Gruppen zu provozieren. Es hat ja auch einen gewissen LUL´z oder Spaßfaktor (Siehe Bud Spencer Tunnel) so einen Block hinter die Altersfreigabe zu schießen, oder wenigsten zu diskreditieren. (Vom Shitstorm gar nicht zu reden.)

Eine Lösung für usergenerierte Kennzeichnung um Jugendschutz

Meiner Meinung nach muss ein Lösung folgend konzeptioniert sein:

Manipulationsschutz:

BotsDie Bewertung durch User muss zusätzlich außerhalb der Website verortet / gesichert werden  (Nicht in den Händen des Websitenbetreibers )

Dem Blogger bzw. Betreiber muss eine angemessene Frist zur Reaktion bleiben und diese muss auch für den User nachvollziehbar sein (Archivfunktion). Aufgrund der „Unschärfe“ und Missbrauchsmöglichkeit muss folgend ein Einspruchsrecht bzw. juristischer Weg zur Einschätzung/Löschung von Bewertungen ermöglicht sein. Dies muss auf dem Blog dokumentiert sein.

Die Bewertungsfunktionen und müssen vor Bot´s geschützt und anhand IP-Schutz vor Massenbewertungen einzelner User gesichert werden.

Einschätzungsgrundlage muss offen sein.

Die Wertungen brauchen einen verpflichteten Textteil für den User um Wertungen nachvollziehen zu können, ein Button allein reicht nicht.

ArchivDer User hat die Wahl, ob die Bewertung an speziellen Content, oder die gesamte Seite gerichtet ist. Im ersten Fall verfällt die Bewertung mit dem jeweiligen Content im zweiten Fall erst nach Widerspruch.

In der Kennzeichnung muss das Datum der letzten (zumindest einer einschränkenden) Bewertung und der gesamten Anzahl von Bewertungen angegeben sein. Eine Mindestzahl (evtl im Verhältnis zu den Besuchern die Wertungen vornehmen) an einschränkenden Bewertungen für Kennzeichnungsänderung für jede Altersstufe muss vorgegeben sein.

Die Änderungen der Kennzeichnungen und Bewertungen muss auch für den User nachvollziehbar sein (Archivfunktion)
In der Kennzeichnung muss das Datum der letzten (zumindest einer einschränkenden) Bewertung und der gesamtenSiefel und Morgenstern Anzahl von Bewertungen angegeben sein. Eine Mindestzahl (Evtl. im Verhältnis zu den Besuchern die Wertungen vornehmen) an einschränkenden Kennzeichnungen für jede Altersstufe sollte vorgegeben sein.

Userschutz

Eine Klarnamenoption scheidet aus, da sonst die Folgen für den bewertenden User nicht absehbar sind. Wer traut sich dann noch zu bewerten, wenn der freundliche Besitzer des Blood and Honor Blogs, dann mal auf einen Besuch vorbeikommt oder der User sein kleines Häuschen in Prozessen und Schadensersatzklagen verliert.

Es bleibt Arbeit, aber auch eine Chance

An vieles ist noch zu denken, dies wirklich zu einer verbindlichen Form zu gießen wird eine Menge Überzeugungsarbeit und langen Atem kosten.

Vielleicht kann dies ja mit einer Graswurzelbewegung erreicht werden, indem sich Blogger zu solch einer Lösung freiwillig zusammenschließen und aufzeigen das es funktionieren kann.. Manchmal schaffen Fakten auch Möglichkeiten.

Robert Kathmann

9.3.2012

16 Fragen zum Thema: “Lehrer und Schüler - Freunde in Facebook”

Abgelegt unter: Politik, Bildung — Robert Kathmann @ 15:36

Lehrer am PCIm ZDF lief ein Sendung über ein Lehrerin die Facebook für den Kontakt mit 250 Schülern pflegt. (Sendung in der ZDF-Mediathek). Da bleibt aber noch Einiges offen und zu bedenken:

In der Pädagogik gibt es auch immer die Frage nach der Vereinbarungsebene und den abgeklärten Interessen und Aufträgen und dem Handlungsfeld. Außerhalb der Schule ist die Lebenswelt wohl kaum eine solche Zwangsgruppe, wie es nun einmal die Schulgemeinschaft mit ihrem Erfolgsdruck ist.

Daraus ergeben sich eine Menge Fragen:

  1. Haben alle Jugendlichen wirklich die Kompetenz, die Lehrer aus ihrer Privatsphäre auf Wunsch raus zu halten ?
  2. Soll die Schule denn wissen wann ich off- und online bin bzw. für meine Freunde erreichbar ?
    Das ergibt sich zum Beispiel automatisch aus der Facebook-Aanzeige für den Chat.
  3. Wie wird damit umgegangen das die Schule/Lehrer erfährt mit wem aus der Schule ich in Facebook befreundet bin ?
    Das ergibt sich anhand der Anzeige “Gemeinsame Freunde.”
  4. Muss jede öffentliche oder halb-öffentliche Tätigkeit der Jugendlichen dann einen Rückbezug zur Schule haben ?
  5. Unter Freunden publiziert, welchen Status hat das denn in der Schule ?
  6. Gelten dann in der Komunikation die Regeln der Schule, oder die unter Freunden?
  7. Welche Rolle spielt der Lehrer?. Welche Form der Vertraulichkeit und welche Funktion ist Grundlage.?
    Ist der Lehrer Vertrauensperson, Seelsorger, Therapeut, oder doch so etwas wie die Pausenaufsicht
    und vermischt es sich nicht bis zum undifferenzierbaren  Rollengemenge? Mit welchen Auftrag und mit welcher Kompetenz wird der Lehrer zum Sozialarbeiter und unter welchen Bedingungen? Reagiert hier der Lehrer auf Anfrage oder aus Eigenantrieb und mit welchen Zielsetzungen?
  8. Ist das Dienst oder Privatzeit des Lehrers?  Wer haftet wenn mal was schief geht? Wer ersetzt den Lehrer bei einem Schulwechsel des Lehrers und oder endet dann die virtuelle “Freundschaft”?
  9. Welcher Lehrer hat dann welche Rolle im sozialen Netz und gibt es einen Austausch / Fortbildung und kollegiale Beratung oder Supervision? Ist der Vertrauenslehrer eingebunden?
  10. Wie weit soll Schule in die Lebenswelt der Jugendlichen reichen und haben Jugendliche nicht ein Anrecht auf schulfreie Zeit und schulfreien Lebensraum. Jugendliche gestalten diese Lebensraume nun mal in sozialen Netzen. Wer würde schon sein Vorgesetzen als Freund “adden“. Brauchen die Schüler und Lehrer vielleicht einen Schulaccount und einen Privataccount?
  11. Welche Wertigkeiten haben Postings / Anfragen oder Nachrichten des Lehrers.? Sind sie Pflichtlektüre? Muss geantwortet werden? Welchen Anspruch der Erreichbarkeit haben die Schüler und der Lehrer?
  12. Welche Nachteile oder Vorteile haben Schüler,  die den Lehrer nicht als Freund “adden” oder was erwarten sich die Schüler davon? Wir reagiert das Gesamtsystem Schule auf eine Weigerung an der Teilnahme?
  13. Gibt es einen Informationsfluss in die Schule, zum Vertrauenslehrer, zum Kollegium, zum Klassenleiter etc. und wenn unter welchen Bedingungen und wird das transparent für Betroffene?
  14. Welche Rolle habe die Erziehungsberechtigen und die Institution? (Auskunftspflicht, Bestimmung des Kontakt- und Aufenthaltsrecht.)
  15. Wo bleibt zum Beispiel die Mitbestimmung der Schüler und der Eltern (Schülermitverwaltung, Elternbeirat etc.) ?
  16. Wo bleibt zum Beispiel  die Kontrolle der Lehrer. Nicht jeder hat die Kompetenzen für eine Online - Community in einer rückbezüglichen Zwangs- und Bewertungsgruppe. “Gut gemeint” ohne Kompetenz ist in der Sozialarbeit oft der Anfang des Desasters.

Ich halte Facebook für eine gute mögliche Informations–  und Kontaktplattform und auch Arbeitsplattform, aber die Schüler-Lehrerbeziehung und damit der Einflussbereich der Schule hat Grenzen.

Themen- oder Klassengruppen, Schul– und Fachsites und vieles mehr kann ich mir als Computermedienpädagoge gut vorstellen. Aber Sorry, 240 Freunde scheinen mir alleine schon durch die entstehenden Timeline an Neuigkeiten und der nötigen Aufmerksamkeit unprofessionell.

Ohne Konzeption und Transparenz in der Vereinbarungsebene und ohne Einbindung bzw. Einverständnis der Erziehungsberechtigten ist das meiner Meinung sogar illegal und vom Lehrauftrag der Schule nicht gedeckt.

Schüler und auch Eltern haben Rechte und die werden auf diese Weise wie im Film gezeigt mit Füßen getreten.
Wo bleibt zum Beispiel  die Kontrolle der Lehrer. Nicht jeder hat die Kompetenzen für eine Online - Community in einer rückbezüglichen Zwangs- und Leistungs- bzw Bewertungsgruppe.

Ich halte es wirklich für unprofessionell und kritisch als Lehrer ohne eine vernünftige transparente Abklärung und Vereinbarungsebene mit Beteiligung der Schüler, Schule und Erziehungsberechtigten in Facebook als Lehrer zu agieren. Schule ist eine Zwangssituation, denn der Schüler ist dort nicht freiwillig und höchst selten wirklich selbstbestimmt. Dieses Reife- und Machtgefälle gegenüber dem Lehrer / Institution ist Systembedingt. Da braucht es Spielregeln.

Robert Kathmann

1.3.2012

Und das Internet vergisst doch!

Abgelegt unter: Politik, Bildung — Robert Kathmann @ 09:24

404 File not foundEine Reaktion auf die Forderung  „ Das Recht auf Vergessen” und die Netzfreiheit

Der Gastbeitrag von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im Spiegel-Online  löste in manchen Foren Diskussionen über ein zeitlich definiertes Recht auf Vergessen aus. Die Kehrseite, dass im Internet sehr wohl auf Dauer gelöscht wird, sehr wohl auch manchmal Bedeutendes, kam dabei meiner Meinung nach zu kurz.


Das Internet als ewiger Hort jeder Information ist eine Illusion.

Daten mit Relevanz bleiben irgendwo gespeichert, aber das ist nicht das Web. Websites ändern sich, werden gelöscht und nicht alle Sites verfügen über gepflegtes Archiv, geschweige über ihren Site-Tod hinaus. Die Daten mögen manchmal sogar noch existieren, aber nicht mehr im Web. Daran ändert auch die Funktion eine alte Seite eine Weile in Suchmaschienen vorzuhalten nichts.  Auch “geteilte Ereignisse” können aus dem Zugriff der User verschwinden, wenn sie keiner für relevant hält bzw. keiner sie “veröffentlichen” will. Versuchen sie doch einmal ältere Kommentare von Blogs aufzurufen, die es nicht mehr gibt etc…

Das Internet vergisst sehr wohl.

Viele Links gehen inzwischen ins Leere, ohne eine zugängliche Möglichkeit den Inhalt zu rekonstruieren. Gegen dieses Vergessen gab es im Papierzeitalter die öffentlichen Archive (öffentliche Stadt- und Verlagsarchive, Bibliotheken ) und Regelungen, was wie aufzuheben sei. Im digitalen Zeitalter macht das so keinen Sinn.  Facebook- und Googlearchive sind nun mal nicht öffentlich zu gängig und sollten es auch nicht sein. Die Frage ist: “Was und wer entscheidet über löschen, veröffentlichen und teilweise bzw. für welchen Kreis veröffentlichen und wer übernimmt die Kosten?” Somit überwiegen meist die Interessen oder Ressourcen der Datenbesitzer. (Bitte jetzt nicht mit dem Urheber verwechseln.) Dass es nicht immer nur die Relevanz sein sollte, die der Datenbesitzer empfindet ergibt sich von selbst. Eine Regelung noch dazu nations- und kulturübergreifend wird Utopie bleiben, die allein am Aufwand der Sichtung , dem Kampf um die Interpretationshoheit und der Relevanz-Diskussion scheitert.

Wie und wo können Lösungen entstehen?

Es gibt keine dauerhafte Lösungen. Ich empfehle jeden sich davor zu hüten sich an den realen und vorstellbaren Einzelfällen zu orientieren und Lösungen für die Zukunft entwickeln zu wollen. Dafür ist die Entwicklung des Web zu schnell. Es kann sich mit der Einführung bzw. Entwicklung jedes kleinen Dienstes, jeder Mode oder App alles ändern. Das haben wir doch jetzt oft genug erlebt. Es wird wohl reichen müssen wenn wir Lösungen für die Probleme der Gegenwart suchen. Die einzig legitimen Lösungen basieren dabei in der öffentlichen Auseinandersetzung und demokratischen Entscheidungswegen. Ob das gelingen kann scheint mir anhand der Erfahrungen zum Thema Urheberrecht fraglich.

Wir werden wohl mit der Vergesslichkeit und der Permanenz des Internets leben müssen. Dies bewahrt uns nicht davor Zugänglichkeit von Daten, Persönlichkeitsrecht und Datenschutz und Urheberrecht auch immer wieder neu zu regeln zu müssen.

Robert Kathmann

24.2.2012

Wir die Netzkinder

Abgelegt unter: Politik, Bildung, Blogroll — Robert Kathmann @ 20:25

WebnetzEin wirklich lesenswerter Artikel. Eine Übersetzung des Textes vom polnischen Dichter Piotr Czerski durch Patrick Beuth und Andre Rudolph für Zeit-Online.

Piotr Czerski, geboren 1981, ist ein polnischer Dichter, Autor, Musiker und Ex-Blogger. Mit seiner Band Towary Zastępcze (”Umtauschware”) hat er zwei Alben veröffentlicht. Czerski hat einen Abschluss in Informatik.

Die junge Generation stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen und Obrigkeitsdenken. “Das Wichtigste ist Freiheit”, schreibt der polnische Dichter Piotr Czerski.

 

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist wie der Begriff “Generation”. Ich habe einmal versucht, die “Generationen” zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte “Generation Nichts”. Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder, die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint, sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort “wir” missbrauche. Denn unser “wir” ist veränderlich, unscharf – früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich “wir” sage, meine ich “viele von uns” oder “einige von uns”. Wenn ich sage “wir sind”, meine ich “es kommt vor, dass wir sind”. Ich sage nur deshalb “wir”, damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir “surfen” nicht im Internet und das Internet ist für uns kein “Ort” und kein “virtueller Raum”. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren “Bildungsroman” erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.

Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas Neues, Besseres, wenn wir darauf stoßen.

Für uns ist das Netz eine Art externe Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.

Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.

Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.

Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.

Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus einer Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.

Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, solange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Onlineformular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die “demokratischen Institutionen” in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle “demokratischen Institutionen” als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

Übersetzung: Patrick Beuth, Andre Rudolph unter der CC-BY-SA-Lizenz

29.1.2012

ACTA & Co und wo bleiben die Lösungsansätze?

Abgelegt unter: Privat, Politik, Uncategorized — Robert Kathmann @ 17:32

ÜberwachungWas ich bei den aktuellen Diskussionen über Acta bzw. dem Urheberrecht vermisse, ist die fehlende Alternative für ein funktionierendes Bezahl- und Lizenzsystem. Es macht keinen Sinn auf die Barrikaden zu stürmen, wenn man keinen Plan für eine Alternative hat.

Teil der Radikalisierung ist die mangelnde Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungsuche.

Das mit einhergehender Überwachung und Verletzung der Bürgerrechte betriebene Engagement würde doch von selbst obsolet bzw. nicht mehr durchsetzbar, wenn es nicht um horrende Beträge gehen würde. Grundlage für die Medienindustrie und deren Engagement für ACTA und all die anderen Begleiterscheinungen ist doch nicht das sich der Verteilerweg verändert hat, sondern dass der Bezahlungsweg verebbt ist.

Hier geht es nicht darum das einige Große nicht mehr am Verteilsystem beteiligt sind und ihr Monopol verteidigen, sondern darum, dass es immer weniger zum Verteilen gibt. Unumstritten ist doch, dass Künstler und viele andere Beteiligte bezahlt sein wollen und das geht nun mal nicht mit einer Utopie von „Kostenlos“.

Das es Modelle braucht, die differenziert sind und Medienformen unterschiedlich handhaben und auch ein Crossover zwischen den Medien berücksichtigt liegt auf der Hand. Aber wo bleiben die Vorschläge dazu?
Wenn die Verhältnismäßigkeit von Überwachung und Sanktion völlig verloren geht, ist das doch ein Zeichen von Hilflosigkeit. Ich halte die Menschen- und Bürgerrechte für hochwertiger als wirtschaftliche Interessen, aber das Recht auf Eigentum gehört nun mal dazu.

Das GEMA oder die Gesellschaft für Wort und Recht sowie Paketinspektion und Vorratsdatenspeicherung keine brauchbare Lösungen für das digitale Zeitalter  sind, ergibt sich von selbst. Aber welche dann? Wir brauchen Alternativen, die echte Lösungen bieten. Und diese sind noch nicht in Sicht.

Engagement gegen ACTA und Co bedeutet auch, Alternativen zu entwickeln und in die Diskussion einzuspeisen. Dazu gehört auch sicherlich den moralischen Anspruch auf Eigentum geistiger Art, eine lebbare Wirklichkeit zukommen zu lassen. Ohne den Verzicht auf Kultur zum Nulltarif wird es nicht gehen.

Dort wo Flatrates bereits verwirklicht sind, sollen diese aber auch umgesetzt werden. Wir bezahlen mit den Rundfunkgebühren bereits und daher gehört der Output / Content dieser Anstalten auch der Gemeinschaft. Die Regelungen mit den Einschränkungen des Medienstaatsvertrages schreien zum Himmel. Die Gemeinschaft zahlt und hat daher ein Recht an diesem geistigen Eigentum. Löschfristen für Mediatheken und ähnlicher Schutz für die private Konkurrenz sind moralisch nicht haltbar.

Andererseits heißt es auch die Doppelmoral aufzugeben die digitale Kopie als solches nicht regulieren zu wollen. Das heißt nicht unbedingt DRM oder Ähnliches, sondern erst einmal die Moral einer Regulierung zu akzeptieren. Diebstahl von geistigem Eigentum ist illegal und deshalb braucht es Lösungen diesem zu begegnen.

Technische Lösungen und Reaktionen wie ACTA sind da wohl eher ungeeignet und völlig außerhalb jedes Maßstabes. Die Diskussion zur Ahndung, darf aber nicht gleich von vornherein tabuisiert werden. Viele Lösungsansätze die immer wieder aufflammen, haben aber nicht den Status wirklicher Lösungen, weil sie meist einen der Partner Kulturschaffenden – Logistiginhaber – Konsument benachteiligen.

Die in der Disskusion aufkeimenden Vorschläge haben noch nicht den Ansatz eines wirklich brauchbaren Lösungsweges. Da ist noch viel Denkarbeit nötig:

Kulturflatrate

Die berühmte Kulturflatrate hat einen Hacken: Wer ermittelt welcher Künstler Was von Wieviel bekommt?. Was ist was wert? Für jeden Künstler gleich viel ist keine Lösung, da ein Unterschied zwischen Schaffenskraft, Talent und Modeströmung bzw. Geschmack besteht. Eine Grundeinkommen ist auch nicht hilfreich. Es verschiebt die Frage nur auf den Bereich: Wer ist ein Kulturschaffender bzw. Vollzeitkünstler? Andernfalls sing ich auch mal ein Album und wer mich kennt weiß, bei mir könnte man dies Ergebnis wohl nur für therapeutische Zwecke als Schocktherapie verwenden.

Ein Spielfilm, selbst mit Millionenaufwand produziert, kann floppen, weil er nichts taugt, wie soll dies in eine Flatrate einfließen? Bei der Kulturflatrate bleibt die Frage des Verteilungsschlüssels das große Problem. Die Häufigkeit des Downloads als Maßstab bedeutet aber wieder eine Einengung des Vertriebskanals, da ich dann ja nur von lizenzierten Anbietern den Content (Musik, Text, Schrift) beziehen darf, oder ein Rückkanal für jede Kopie vorhanden sein muss, um ein Abbild des Wertes über die Häufigkeit zu ermitteln.Eine Vervielfältigung und eine Weitergabe wären damit ausgeschlossen.

Auch der Aufwand der Produktion macht einen erheblichen Unterschied. Ein Symphonieorchester kostet mehr als ein Gitarre spielender Liedermacher. Die Lösung mit Testhaushalten wie die Ermittlung bei den Einschaltquoten erscheint mir keine Lösung, da dort kleine und unabhängig erstellte Werke ganz unter den Tisch fallen. Manche Bands haben nun mal nur ihren kleinen Fankreis als Kunden und leben davon. „Was ist Wieviel wert?“  ist die ungelöste Frage bei der Kulturflatrate in die Alle einbezahlen und die dann entsprechend wieder ausschüttet.

Direktmarketing

Das Direktmarketing für Content hat ebenfalls eine deutliche Einschränkung. Um ein unterlaufen der Bezahlung zu vermeiden wird oft entweder mit Kopierschutz oder mit der Keule der Strafverfolgung gearbeitet. Dazu muss auch der Aufwand der Ermittlung betrieben werden.

Es scheitert wieder an der Frage der Kopierbarkeit und der Möglichkeit der aufbauenden künstlerischen Weiterverarbeitung und einer häufig illegalen bzw. unmoralischen Praxis der Weitergabe und Vervielfältigung. Ebenso entsteht so ein Flaschenhals im Vertrieb und Kompilationen (Mehrer Künstler auf einem Album) sind kaum noch möglich bzw. erfordern einen riesigen Aufwand oder wieder einen zentralen Vertrieb.

Direktes Medienleasing

Diese unterscheidet sich nicht viel in ihrer Problemlage zum Direktmarketing, außer in dem zusätzlichen Zwang seine Medien ständig zu streamen bzw. den Inhalten ein Verfallsdatum einzupflanzen. Und mal ehrlich wie lange dauert es dann bis doch wieder digital mitgeschnitten und vervielfältigt wird.

Einnahmenverlagerung

Es mag sein das in der Musik heute Künstler sich oft durch Konzerte finanzieren, aber das als Finanzierungskonzept zu postulieren ist mehr als nur scheinheilig. Studiomusiker und viele andere Formen bleiben dabei auf der Strecke. Für Film/Video und Schrift ist dies sowieso keine Lösung oder soll der Film wieder auf die Stufe des 19. Jahrhundert mit der Ausschließlichkeit der Lichtspielhäuser reduziert werden.

Was nun?

Es braucht Lösungen sonst wird der Kampf gegen Acta und Co schnell vorbei sein bzw. ewig dauern. Wir müssen für moralische Fragen auch Lösungen der Handbarkeit und Umsetzung finden und wahrscheinlich als Alternativweg sogar als Netzeinwohner selbst etablieren, sonst findet die Hardcore-Fraktion mit ihrer Lobby eine Lösung und die hat einen bitteren Beigeschmack.  Eine Lösung muss folgenden Ansprüchen gerecht werden:

  • Wir brauchen ein funktionierendes Lizenz und Bezahlsystem, welches geistiges Eigentum schützt aber auch sinnvoll und maßvoll entlohnend verteilt.
  • Wir brauchen eine neue Werte-Diskussion zum Thema geistiges Eigentum und dem Anspruch des Rechteinhabers und den Ansprüchen der Gemeinschaft auch gerade mit der Politik. (Verjährungszeit, Verfügbarkeit etc…)
  • Wir brauchen Regelungen für illegale Verhaltensweisen im Netz, ohne die Menschen- und Bürgerrechte zu verletzen. Wir müssen die grundsätzliche Frage juristisch und nicht im Hinblick der Ermittlungstechnik klären und müssen Unschuldsvermutung und die ausschließliche Beweislast auf Seiten des Anklägers sichern.

Wenn wir keine gute Lösung finden zum Thema illegales und legales Nützen von geistigem Eigentum, handeln wir uns eine Lösung ein, die wirklich weh tut, weil sie Kräften Tür und Tor öffnet, die wir bestimmt nicht als  „Beschützer des Netzes“ wollen.

Robert Kathmann

27.9.2011

Gibt es eine Internetsucht überhaupt?

Abgelegt unter: Politik, Bildung, Blogroll, Uncategorized — Robert Kathmann @ 07:47

InternetsuchtGrundsätzlich ist der Versuch eine reine Internetsucht oder Abhängigkeitssyndrom zu definieren sehr schwierig. Wer hierbei nicht differenziert, wird damit nicht wirklich zu einem Ziel kommen. Das Internet ist heute überall und in seiner Nutzung und Gebrauchsvielfalt nicht mehr im Gesamten zu erfassen. Für eine allgemeine Definition reicht eben on- und offline als Kriterium nicht aus. Wenn ich ein Hörbuch downloade und dann anhöre, gilt das jetzt als Internetzeit, oder als Medienkonsum? Nur weil der Inhalt aus dem Medium kommt ist er nicht das Medium selbst. Wenn wir davon sprechen eine CD zu hören, meinem wir ja auch, dass wir die gespeicherte Musik auf dem Medium hören. Die CD anzuhören wird ein sehr stilles Unternehmen.

Du Nutzungszeit des Mediums als Kriterium für eine mögliche Verhaltensstörung zu definieren funktioniert ebenfalls nicht. Ich bin auch im Internet, wenn ich gerade mal kein Gerät nutze. Mein Rechner lädt automatisch die gewählten Fernsehaufzeichnungen und aktualisiert den Kalender und noch irgendwelche Programme, stellt Infos für Andere zur Verfügung und empfängt Emails. Da wird es schon schwierig, Internetzeit alleine mit On- und Offline zu definieren. Was ist mit dem Buch, welches ich auf meinem Tablett lade. Bin ich “süchtig” wenn ich Kafka auf dem Tablett lese?

Sicherlich weiter kann man sich dem Thema nähern , wenn man sich das Internetverhalten über die Definitionen von Suchtverhalten oder Abhängigkeitssyndrom betrachtet. Realitätsflucht oder -angst, Peergruppenverschiebung, übersteigertes Rausch- und Glücksgefühl, Kontrollverlust etc. Im Internet nach den Suchtattraktoren oder Abhängigkeitsfaktoren zu suchen führt aber schnell zu Ergebnissen, die uns aus dem Reallife bekannt vorkommen. (Ps.: Ich mag den Begriff “Reallife” nicht, weil das Internet Teil des realen Lebens ist, aber er hat sich nun einmal durchgesetzt.)

Es sind meist die bekannten Suchtphänomene oder alte Suchtformen wie Pornografiesucht, Videosucht, Videospielsucht, Kaufsucht, Spielsucht (Gewinnspiel) etc. Hier geht es um konkret fassbares und beschreibbares Suchtverhalten, und manchmal auch um die Mischformen, welches uns ja auch aus dem Suchtverhalten im Reallife bekannt ist. Das Internet ist also ein möglicher Zugang zum Suchtverhalten, aber nicht die Sucht selbst.

Einzig die Spielsucht bei Onlinespielen scheint neu zu sein, basiert aber auf den selben Mechanismen. Es ist hauptsächlich die Realitätsflucht oder -angst der Videospielsucht und einer deutlicheren Peergruppenverschiebung. Dies ist aber nur bedingt als Sucht oder Abhängigkeitssyndrom zu definieren, da dies auf viele andere exzessive Formen der Selbstbeschäftigung und Gruppenverhalten zutrifft. (Mal nur so an so manche Modelleisenbahner gedacht.) Auch ist der Suchtbegriff selbst ist bei der vermeintlichen Internetsucht oft schwierig, weil er durch den Verlust von Selbstkontrolle und Selbstschädigung vordefiniert ist.

Wer definiert die Selbstschädigung im Internet? Hier gehen die Standpunkte doch erheblich auseinander. Wie und wo schadet längere Internetnutzung? Gibt es eine mindest nötige Zeit für internetfreie Zeit und wer bestimmt diese. Mediziner, Psychologen, Arbeitsrechtler oder Moralisten? Welchen Stellenwert haben die Tätigkeiten im Internet und in welchem Bezugssystem ist oftmals die grundsätzlichere Frage und damit eher eine Wertediskussion und abhängig vom jeweiligen Wertekonsens.

Auch der Verlust der Selbstkontrolle greift als Kriterium nicht, da erst das Internet oftmals eine Verhaltensteuerung ermöglicht. Ich bin zum Beispiel in der Lage durch soziale Vernetzung und Interaktion mit Selbsthilfegruppen zu Herzinfarktnachsorge weitere Probleme zu vermeiden. Sonst gäbe es hier auf dem Land diese Hilfestellung nicht. So gilt selbst der Begriff der mangelnden Lebensbewältigung als Grundlage nicht mehr, da das Netz oft genau hierzu benützt wird.

Auch Begriffe wie Kultur und Gesellschaftsteilhabe als Defizitbegriff greifen inzwischen nicht, da das Netz zum Kultur- und Gesellschaftsraum geworden ist. Ich will (noch) nicht so weit gehen, dass es Online-Paranoiker gibt, aber einige der Werteschemata sind wohl mehr als nur indifferent geworden.

Ich glaube deshalb nicht, dass es eine Internetsucht als solche überhaupt gibt, aber sehe das es Sucht-  und manchmal auch nur exzessives und entgleitendes Kompensationsverhalten on- und offline gibt und vermute, dass die Therapieformen on- wie offline sicherlich ähnlich sind.

Also mache ich mir keine Gedanken wann, wo, wie und wie lange jemand on- bzw. offline ist, sondern ob sein Leben Sinn macht wie es ist, oder ob er durch zwanghaftes und krankhaftes Verhalten Hilfestellung von Außen braucht. Es gilt näher hinzuschauen und nicht aus Unkenntnis über das konkretem Verhalten im Internet Zugang und Medium mit der Sucht selbst zu verwechseln. Ja es gibt Sucht im Internet genau so wie in Reallife, aber das Internet selbst ist keine eigene oder neue Sucht. Und genauso wie im Reallife gilt es differenzierte Ansätze zur Hilfestellung zu geben. Das alte Problem mit der Verwechslung von Symptom und Ursache.

Über die richtige Form der Selbstverwirklichung und Lebensgestaltung wurde schon immer gestritten und oft genug wurde Menschen in unserer Geschichte dabei abgesprochen Herr über die eigenen Sinne oder zurechnungsfähig zu sein. Mit dem Begriff Internetsucht sind wir wieder ganz nahe dran.

Robert Kathmann

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